Enkaku

75W/Koroishi

2006/10/16

 

Der Moloch als Metapher

Tokyo, sowohl als Stadt als auch als Phänomen, ist der Beweis dafür, dass es auf die Menschen ankommt, deren Bereitschaft und deren Fähigkeiten.
Denn Tokyo, an seinen äußeren Bedingungen gemessen, müsste ein Moloch sein: das Größte Ballungsgebiet der Welt, Mangel an Platz, Überfluss an Lärm und Gedränge, Betonwüsten soweit das Auge reicht. Die Tatsache, dass Tokyo kein Moloch ist, entspringt wohl einer Kultur, die über Jahrhunderte langsam in die Urbanisierung gewachsen ist. Die vergleichsweise plötzlich hereinbrechende Moderne scheint in dieser Hinsicht erstaunlich wenig sozialen Schaden mit sich gebracht zu haben.
Tokyo als Metapher könnte uns mitteilen, dass die Fixierung auf die Veränderung/Verbesserung äußerer Umstände als einzig möglicher Weg für eine Verbesserung der Lebensbedingungen, des Wohlbefindens, des »Persuit of Happiness« absurd ist. Vielmehr ist die Verschwendung von Lebenszeit und -energie für dieses Streben nach Verbesserung der äußeren Umstände, abgesehen von dessen Konfliktpotential, ein Hinderungsgrund für das akute, momentane, gegenwärtige und friedliche Wohlbefinden, dass aus sich selbst kommt und nur daher.
Was natürlich nicht bedeutet, dass Betonwüsten in irgendeiner Weise ein hinzunehmender Zustand sind. Ich spare auf einen Bagger.

 

Die Launen des Hypnos

Erstaunlich wie unterschiedlich man Schlaf und die Ursachen des Einschlafens bewerten kann. Während in Deutschland ein unausgeschlafener Mitarbeiter im mildesten Falle ein schlechter Organisator seiner Zeit ist, im härtesten ein Faulpelz, der wohl am Vortag den Weg ins Bett nicht gefunden hat, so ist umgekehrt in Japan plötzlich einsetzende akute Somnolenz ein Zeichen für übermäßigen Einsatz für die Firma, der in der U-Bahn, oder sogar im Konferenzraum ausgeglichen werden darf. Natürlich hat der Deutsche in der Regel gut und gerne 15 und mehr Stunden innerhalb derer er seine 8 Stunden Schlaf genießen kann und muss, während sein japanischer Kollege oft nicht einmal diese 8 Stunden zuhause ist. Organisation vs. Spontaneität oder Zeiteinteilung vs. Nutzungseinteilung.

2006/09/01

 

75W BACK IN JAPAN


2006/08/11

 

15 MONET BRUSH-UP




I don't know who did this, but it was an act of real freedom fighting. Free art from these prison-like exhibition posters! There are just too many of them and I always ask myself: why do they let these loveless advertising agencies design anything related to art?
Free art, draw flowers!
Or whatever.

2006/07/07

 

14 DENK MIT!


Man sollte mal was über exotische Projektion auf Waschmittelpackungen schreiben.

2006/06/03

 

13 DAS PUTZFRAUEN-TAO


2006/05/23

 

12 TOTBRÜTEN

Es geht manchmal nicht anders. Aber ich will sie nicht unterstützen, die apokalyptischen Reiter der Kaffeekultur (Starbuck) und der Hefekultur (Sparback). Jetzt bin ich aber nun mal am Bahnhof und MUSS in den sauren Aufbackteig beißen. Da können die Schrippenzieher mir doch wenigstens die Illusion lassen. Die Illusion von liebevollen Bäckerhänden, die meinetwegen Stunde um Stunde feinsten Teig kraftvoll aber behutsam durchmassieren. Was ich aber auf der Brottüte zu lesen bekomme, entknotet jede Brezel. Nicht nur, dass sie sich keine Mühe machen irgendeine Illusion von echt gebacken Brot zu erzeugen, nein, sie versuchen auch noch ihre fordianischen Industrieschrippen als besonders erstrebenswert zu verkaufen. Lieber Brottütentexter, Sie glauben doch nicht im Ernst, dass irgendjemand "tiefgekühlte Teigrohlinge" aus "professionell gebauten Verkaufseinheiten" appetitlich findet. Ich will doch nur zum Bäcker an der Ecke und bestimmt nicht in eins von Ihren "über 100 Outlets". Vielleicht wecken Sie Ihre Schrippen, wenn ich sie in die Ecke semmel.

2006/05/13

 

11 TODAY'S YINYANG


2006/05/08

 

10 DAS KOTBRETT

Ich habe einen Hühnerstall gebaut. Mitgebaut. Ich bin froh in diesem Leben einmal über die Existenz des Kotbretts nachgedacht zu haben. Eine erbärmliche Existez zugegebenermaßen, aber bedenkenswert.
Das Kotbrett fristet sein flaches Dasein unterhalb der Hühnerstange, die im übrigen nicht rund, sondern rechteckig sein sollte. Das moderne Huhn hat das so. Das Kotbrett kann über solche Spitzfindigkeiten nur lachen und stemmt sich weiterhin wacker allem entgegen, was da von oben kommt. Wäre das Kotbrett religiös – was es nicht ist, zumindest nicht jenes, welches ich eingebaut habe – es würde sicherlich eine transzendente Entität nicht über sich vermuten. Denn von oben, das weiß das Kotbrett ganz genau, kommt nur Mist.

2006/03/23

 

09 BLITZ

Wie komme ich eigentlich dazu so gedankenlos zu sein. Früher wäre doch kein Mensch auf die Idee gekommen seine Gedanken, sein alltägliches Tun, sein TAGEBUCH öffentlich zu machen. Hier im Internet ist man ja nicht ganz normal, wenn man schweigt. Aber früher in der echten Welt war man noch wählerisch. Nein, dem erzähl ich doch nichts über mein Leben. Aber auf meinem Blog könnte ich es posten. Es muss ja was gepostet werden, sonst macht das ganze keinen Sinn.
Wozu RFID und Smartdust?
Die revolutionären Avantgarden der Überwacher von morgen waren die paar verrückten Asozialen, die sich in den 90ern in Talkshows entblößt haben. Jetzt sitzen wir alle tippend vor unseren Blogs und hinterlassen Einsichten für Jedermann. Wer weiß schon, wer sich irgendwann einmal für diese belanglose Meinung hier interessiert?

2006/03/09

 

08 FILM: 子連れ狼 vs Shogun Assassin

It's quite interesting to take a comparative look on the perception of movies in different cultures. A very rare but equally good example of an adaptation of a Japanese movie by a Hollywood studio is Shogun Assassin. The original to it is one of the masterpieces of Japanese samurai-cinema called Kozure Okami (Lone Wolf and Cub) written by Koike Kazuo. I won't go into details of the plots of the six movies, instead I highly recommend watching them yourselves (they are all available on DVD now).
Anyhow, because of the huge success of Lone Wolf and Cub in Japan in the 1970s some guy of Universal Studios must have come up with the idea that cutting fighting scenes of the six original movies together to one single movie, which then would go by the title »Shogun Assassin«, would perfectly match the martial arts hype (initiated by cheap Hong Kong easterns with plots that made porn videos look like art cinema) and thus be successful in the west as well. The outcome of all that speaks volumes about the gap between Japan and the US in terms of values, moral and entertainment in general. Whereas in the originals the main charakter Ogami Itto, a ronin, is committed to the bushido by any means and feels obliged solely to those who book him as an assassin, the US version tries to hide to what harrowing cruelty this sometimes leads. Of course the western audience would be shocked by a »good guy« who even kills women and children if it's part of his job. Another point of cultural friction is nakedness. There's no moral code in Japan, especially not before the Meiji period, that considers nakedness per se as a bad thing. It is something one could feel ashamed of in certain situations but even these are not comparable to any of the ideas about naked skin in christianity or the other Abrahamic religions. In the originals there are several bathing scenes, raping scenes and even one, where a girl uses her breast tattoo as tool of deflection during a fight. Which is of course unbearable for an American audience, at least according to the Universal censorship. On the other hand the rivers of blood, airborne limbs and detached heads etc. seem to be alright to a certain extend. But the bloodthirstyness even of Japanese family-time-serials was unreached in the west until Tarantino whose work is highly inspired by exactly that kind of Japanese cinema. One thing about blood in movies: I think the worst thing to watch for children are movies like James Bond where hundreds get killed without a drop of blood or any moral or legal consequences. If you show killing on the screen, let it look like killing with all its bestiality, disgusting results and disturbing epiphenomenon. But I'm degressing. My conclusion of the comparative look on Lone Wolf and Cub and Shogun Assassin is as follows:
The original movies are wonderful and complex stories that let us look deep into the bushi-soul which is still considered exemplary by many Japanese nowadays. Compared to that Shogun Assassin is nothing but a chain of empty fighting scenes ripped out of any reasonable context.

2006/03/08

 

07 MU






「無」

2006/02/22

 

06 KUNST: RECLAMREGAL-RHYTHMUS







Eine äußerst poetische Interferenz zwischen Farb- und Inhaltsordnungssystem scheint diese Wand geschaffen zu haben.

 

05 WORT: KREUZBERG POESIE






 

04 WORT: HUND






Das unerwartete Rampenlicht zum Jahr des Hundes stieß dem besten Freund sauer auf. (Bremen 2006)

 

03 FILM: BERLINALE 06

Die Helden meiner Jugend als Kinofilm. Hilariös präsentiert von einem Mr. Chappelle, der an Lässigkeit nicht zu überbieten ist. Die Stimmung im Berlinale-Kinosaal ist mit "ausgelassen" zu umschreiben. Am Ende blieb lediglich die Ungewissheit, ob man lieber mehr von der Musik oder von Chappelles Sprüchen gehört hätte. Ein gutes Zeichen.

2006/02/14

 

02 ART: RUNDGANG





Ann K.E. cleaning her object "Bath Station".

2006/02/05

 

01

Mit Blogs verhält es wahrscheinlich ähnlich wie mit Mobiltelefonen. Erst denkt man: "Wozu brauch ich sowas?"
Wenn man dann aber seiner Narzissmusphobie ein wenig gut zu redet und sich der praktischen Vorzüge des ohnehin unaufhaltsamen bewusst wird, kann man sehr wohl Gefallen daran finden. Und da Blogs nicht einmal im Verdacht stehen irgendwelche Strahlen auszusenden, die fiese neuronale Schäden nach sich ziehen, wende ich auch in diesem Fall meinen kategorischen Interrogativ an: "Warum nicht?"

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